Das Superthema

Es gibt ein Thema, mit dem man auf jeder Party und bei jedem Small Talk locker punkten kann. Es eignet sich für das Gespräch am Eltern- wie am Kegelabend, beim Ärztekongress und bei Bauerntagen, beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammern und des Journalistenverbandes, bei Presseclubs, bei Rotarys und Lions. Das Thema ist universal einsetzbar wie Aspirintabletten oder Kräutertee oder ein Käsebrot. Die einzigen, die das Thema nicht beherzt und offen aufgreifen, sind die
politischen Parteien.

Das Thema ist die Bildungspolitik in Deutschland, die bekanntermaßen in sechzehn miteinander konkurrierende Kleinsysteme, genannt Bildungspolitik der Länder, zerfällt. Dass diese Kleinkonkurrenz (zuweilen mit erheblich zu geringen kritischen Massen, siehe meinetwegen Schleswig-Holstein oder Bremen gegenüber Bayern) auch nur jeden Hauch einer gemeinsamen, sprich vergleichbaren Schul- und überhaupt Bildungspolitik in der größten Volkswirtschaft der EU, Bundesrepublik Deutschland, schon im Ansatz be- und final verhindert – man kann das mit jedem/jeder besprechen und erntet sofort Zustimmung. Nur die Parteien greifen das Thema nicht auf. Die FDP hat´s so ein bisschen versucht in den zurückliegenden Wahlkämpfen, aber das wars dann auch.

Welches Abitur oder welcher Schulabschluss überhaupt hier oder dort, da oder am ganz anderen Ende mit welcher Qualifikation verbunden und auf welche Qualität gegründet ist – nobody knows, die Länder zählen es sich gründlich gegenseitig vor und der Wahnsinn mit G 8 oder G 9 (also was denn nun) ist vermutlich noch nicht das Ende der Wahnsinnsfahnenstange diesbezüglich.

Wie wäre es (man wagt ja kaum, sowas niederzuschreiben) mit einem schönen, mitteleuropäischen Land, in dem man überall sicher sein kann, dass man in dem und jenem Alter in möglichst gleicher Geschwindigkeit die Grundrechenarten, Wortschatz, Orthografie und Syntax der Mutter- und noch ein bis drei anderer Sprachen erlernen soll und dass das Ganze mit einem verlässlichen, sprich überall in möglichst gleicher Qualität und Quantität angebotenen Unterricht weiterer Fächer zu einem Bildungssystem, das diesen Namen verdient, verbunden ist?

Wie wäre es also mit politischen Bildungsbeschlüssen – auf Bundesebene (mindestens dort präzise koordinierte und bundesweit geltende, verbindliche Bildungsziele- und -strukturen in allen Bundesländern)?. Auf der Grundlage einer kleinen Grundgesetzänderung?

„Das kann doch ei’ntlich gaa nich angehn?“ … der Norden kennt die richtige Formulierung für diesen höchst konkreten, täglichen Wahnsinn.

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