Bio boomt – Gesunde Lebensmittel für alle

Von Jens Mecklenburg

Viele Verbraucher wünschen sich biologisch erzeugte Lebensmittel aus der Region. Auf diesen Trend haben Supermärkte und Discounter reagiert und bieten günstig Obst, Gemüse und Fleisch mit dem EU-Biolabel an. Mittlerweile werden über die Hälfte aller Biolebensmittel in Supermärkten und beim Discounter verkauft. Wie gut ist das Angebot? Ein Überblick.

Die Bioangebote in Supermärkten und beim Discounter wachsen von Jahr zu Jahr. Fast jeder vierte Deutsche kauft mittlerweile regelmäßig Bioprodukte. Will man in der Landwirtschaft grundsätzlich was verändern – die Stichworte Umweltschutz und Klimawandel mögen genügen – braucht man Masse. Insoweit ist der Bioboom eine Erfolgsstory.

Alles Bio oder was?

Früher gab es Bio nur im Hofladen, auf dem Wochenmarkt und im Reformhaus. Heute auch im Supermarkt. Aus der schrumpeligen Möhre von einst wurde eine gerade, gewaschen und gebürstet, für die Auslage fein gemacht. Der Umsatz mit Biolebensmitteln stieg 2015 um satte 13 Prozent. Mittlerweile werden auf 6,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland (in Schleswig-Holstein sind es unter 4 Prozent) Ökolandbau betrieben. Da die Nachfrage größer als der Ertrag des heimischen Anbaus ist, wird viel importiert. Im Durchschnitt gibt der Verbraucher 97 Euro pro Jahr und Kopf für Biolebensmittel aus. Beim Einkauf muss sich keiner von den unterschiedlichen Bioeigenmarken des Handels verrückt machen lassen. Wer auf das offizielle EU-Bio-Siegel achtet, kann nichts verkehrt machen. Es geht kaum ein Biolebensmittel über das Kassenband, das nicht den Standards der EU-Bio-Norm entspricht. Die weißen Sterne in Form eines Blattes auf grünem Grund garantieren, dass 95 Prozent der Zutaten Bio sind, beim Anbau keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden und gewisse Standards bei der Tierhaltung erfüllt werden.
Die gleichen Standards gelten für das sechseckige deutsche Biosiegel. Bioprodukte kosten 20 bis 30 Prozent mehr als konventionell erzeugte, Biofleisch sogar oft das Doppelte. Artgerechte Tierhaltung hat ihren Preis.

Fazit

Ökologische Landwirtschaft hat in der Regel eine bessere Ökobilanz als konventionelle. Bei Lebensmitteln mit dem EU-Biolabel werden im Vergleich zu konventioneller Ware weniger Pestizide eingesetzt. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Bio-Ware vom Discounter oder aus dem Bioladen stammt. Bio vom Discounter erfüllt allerdings nur die Mindestanforderungen an ein Bio-Produkt. Die Siegel-Anbieter Bioland, Demeter und Naturland machen Erzeugern deutlich strengere Vorgaben, zum Beispiel beim Tierwohl. Auch ist mit Antibiotika belasteter Tierdünger nicht erlaubt. Bio-Produkte vom Discounter sind nur wenig teurer als konventionelle Ware. Für viele Verbraucher natürlich ein Plus. Im Bioladen kosten Obst, Gemüse und Fleisch mit Bio-Siegel deutlich mehr. Nicht selten importieren Discounter Bio-Produkte günstig aus fernen Ländern – zum Beispiel Kartoffeln aus Ägypten, Karotten aus Israel, Gurken aus Spanien. Alle Bioprodukte aus dem Nicht-EU-Ausland müssen nach EU-Norm zertifiziert werden, doch Kritiker sehen das System als lückenhaft und betrugsanfällig an. Seit der Biomarkt boomt, boomt auch der Betrug, sagen Insider. Aber Lebensmittelskandale sind im Biobereich eher selten und Betrügereien treffen fast überwiegend die Importware. In Ägypten, Vietnam und China ist eine regelrechte Bioindustrie für den deutschen und europäischen Markt entstanden. Eine Entwicklung, die der hiesigen Biobranche durchaus Gewissensbisse bereitet. 90 Prozent der Biotomaten werden zum Beispiel importiert.

Mit Biolebensmitteln verhält es sich wie mit konventionellen: Alles hat seinen Wert und Preis, und wenn wir Verbraucher ihn nicht zahlen wollen oder können, geht es häufig auf Kosten der Umwelt oder der Produzenten.
Günstige Biolebensmittel sind aber ein guter Einstieg für den Verbraucher und ermöglichen auch Geringverdienern, sich gesund und ökologisch zu ernähren. Wer mehr Umwelt- und Tierschutz erwartet – und mehr Geschmack – der sollte sich an die alteingesessenen und strengeren Biolabel wie Bioland und Demeter halten.
Das Beste, darin sind sich wieder alle Erzeuger- und Bauernverbände einig, ist es, bevorzugt saisonale und regionale Lebensmittel einzukaufen. Keine Erdbeeren im Dezember, kein Spargel im August, keine Frühkartoffeln im April. Dann spielt es auch keine Rolle, ob man auf dem Wochen- oder im Supermarkt einkauft. Hauptsache gesund, lecker und Bio.

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