Bedeutende Botschaften nebst Abgas

von Stephan Opitz


Schleswig-Holstein hatte am 7. Mai gewählt – die klugen Lebensartchefinnen gaben dem Kolumnisten Zeit bis zum äußersten Redaktionsschluss, um das Ergebnis zu berücksichtigen. Das Wahlergebnis haben wir, aber noch keine neue Regierung. Und die Nachricht, dass auch auf Jamaika Ampeln stehen – will das wirklich jemand lesen? Na also.

Die alte Regierung tuts noch ein paar Wochen und das Futur II leistet gute Dienste: Mal sehen, was die Wahl in NRW alles bewirkt haben wird (Futur II), wenn die Lebensart im Juni erscheint.

Doch zurück zum Wahlergebnis und dem ihm vorausgegangenen Wahlkampf. Das an Welt wie Waterkant erschütternden Politereignissen im Zusammenhang mit Wahlen nicht gerade arme Schleswig-Holstein, unter den schönen 16 der föderalen Republik, hats auch heuer mal wieder geschafft. Welches andere Bundesland kann sich rühmen, von einem amtierenden Ministerpräsidenten während des Wahlkampfes die Botschaft erhalten zu haben, dass Heilfasten (jaja – also nicht nur Fasten, FdH kann ja jeder) zu Gewichtsverlust führt? Und dass diese Botschaft auch noch praktisch alle Menschen zwischen den Meeren erreichte? Waren wir alle beim Zahnarzt/Friseur, um das in Fragen des Heilfastens wie auch allen anderen zwischenmenschlichen Heikelkeiten hochkompetente Magazin aus München zu lesen, dem der Amtierende seine Botschaft anvertraut hat, nicht ohne diesen Anvertrauungsvorgang mit der Einsicht zu verbinden, dass Parmesan lecker sei? Das zu toppen, Leserinnen und Leser, ist nicht leicht. Eher schwer.

Schwer hat es sich auch der Maut- und Horst-Seehofer-Unterstützungsminister Dobrindt im Mai gemacht. Für den 10.5. hatten sich die EU-Staaten verabredet und einen gemeinsamen Kompromissvorschlag für um einiges schärfere Abgaskontrollen ausgearbeitet. Bei so einer Lage nur fünf Tage vorher eine korrigierte und das Abgaskontrollieren noch verschwommener vornehmende, dazuhin fernab aller Kompromisslinien liegende Fassung des Abgaskontrollpapiers der EU vorzulegen – das ist nicht leicht. Doch Dobrindt hats gepackt. Er hat seinen Vorschlag noch nicht einmal innerhalb der deutschen Regierung abgesprochen, wo kämen wir da hin, fragt er sich zu Recht. Das muss auch ihm, der der Welt noch nicht viel mehr gezeigt hat als seine modische Hornbrille und ein Mäutchen, erstmal einer nachmachen.

Beruhigend, dass Kompetenz und Ethos doch so gleichmäßig unter den Parteien verteilt sind.

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