Acht Wege zum Gartenglück

von Katja Hildebrandt

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Willst Du ein Leben lang glücklich sein, dann lege einen Garten an.“ Ich habe meinen Garten vor über 20 Jahren angelegt und freue mich seitdem jeden Tag darüber. Mein mit etwa 10.000 Quadratmetern nicht mehr ganz so kleines Refugium bietet viel Raum für Entspannung und Ruhe und gibt mir viel Kraft. Beim Buddeln, Pflanzen, Gießen und Ernten im Grünen kann ich alles um mich herum vergessen und so richtig abschalten. Damit Sie sich in Ihrem Garten genauso wohl fühlen wie ich, verrate ich Ihnen hier meine ganz persönlichen Tipps zum Gartenglück.

Erst planen, dann pflanzen

Das Geheimnis schöner Gärten sind gute Pläne. Wer einen Garten oder Sitzplätze neu anlegt, sollte sich zunächst Gedanken machen, was er von seinem Garten erwartet. Machen Sie als erstes eine detaillierte Zeichnung und planen Sie genau, wo welche Gartenbereiche hinkommen sollen. Dabei ist es wichtig, die Umgebung, den Sonnenstand und die Bodenbeschaffenheit mit einzubeziehen. Rosen können z.B. im Dauerschatten nicht wachsen, machen sich aber wegen ihres herrlichen Dufts an Hauseingängen oder in der Nähe von Terrassen wunderbar. Prüfen Sie also, welche Bereiche den ganzen Tag in der Sonne liegen und welche eventuell von Bäumen beschattet werden. Für jede Ecke im Garten gibt es eine passende Pflanze. Und mit ein bisschen Geduld wird aus Ihren schönen Ideen bald ein harmonisches Ganzes.

Es geht einfach nichts über den Genuss von selbst angebautem Obst oder Gemüse, welches dann natürlich auch direkt zu köstlichen Gerichten verarbeitet wird. Daher gehört der Anbau von Obst und Gemüse zu meinen liebsten Hobbys. Beim Anbau von Gemüse schwöre ich auf Hochbeete! Die sind nicht nur rückenschonend, die Pflanzen wachsen einfach viel schneller. Außerdem fällt die Ernte viel reicher aus und die Anbau-Saison dauert auch noch länger – einfach genial! Mittlerweile habe ich schon 10 Stück in meinem Garten stehen. Klar, nicht jeder hat einen großen Garten, in dem so viele Hochbeete Platz finden, aber auch auf dem kleinsten Balkon gibt es viele tolle Möglichkeiten, Gemüse oder Obst anzubauen.

Der Wildnis eine Chance geben

Eine gewisse Grundordnung im Garten ist nicht verkehrt, aber die eine oder andere Ecke kann ruhig etwas verwildern. Der Rasen muss nicht überall gemäht werden, die Blumen können auch mal sich selber überlassen werden und sich vermehren, wie es ihnen gefällt. Und auch Laubberge müssen nicht immer weggepustet werden. So schaffen Sie mehr Lebensräume für Igel & Co. und haben ganz nebenbei auch weniger Arbeit. Rotkehlchen zum Beispiel freuen sich über etwas dichtes Gebüsch und ein bisschen Wildnis und siedeln sich gerne in solchen Ecken an. In der Natur kann nicht immer alles perfekt sein: Was in dem einen Garten wunderbar gedeiht, misslingt in einem anderen, da die Gegebenheiten einfach zu unterschiedlich sind. Einiges wächst und vermehrt sich von alleine, daher sehen Gärten auch jedes Jahr wieder anders aus. Also, lassen Sie sich einfach immer wieder überraschen, was hinter der nächsten Gartenecke wächst …

Perfektion ist langweilig

Wer einen Garten anlegen möchte, muss den eigenen Perfektionisten auch mal vor der Gartenpforte aussetzen. Gärten mit Ecken und Kanten und kleinen Fehlern sind charmant, individuell und bleiben länger in Erinnerung. Es wäre doch auch irgendwie langweilig, wenn alle Gärten gleich aussehen würden. Bei mir im Garten wachsen zum Beispiel viele Stauden wild ineinander. Es wäre viel zu zeitraubend, sie alle einzeln zu bändigen, und die Beete sehen dazu noch wunderschön aus. Zudem ist es sehr reizvoll, der Natur freien Lauf zu lassen. Ich habe letztes Jahr eine Blumenwiese angelegt, die ganz nebenbei auch ein Paradies für Bienen und Schmetterlinge ist. Bestimmt hat fast jeder von Ihnen eine ungenutzte oder schwer zugängliche Gartenecke und das sollte auch so bleiben. Die „wilde Ecke“ kann übrigens ruhig von dem restlichen Garten abgegrenzt werden, zum Beispiel mit einem Steinwall oder Wildblumen.

Pflanzen mit Aroma

Düfte wecken Erinnerungen, sie lassen uns träumen, beruhigen, wirken anregend, beeinflussen unsere Gefühle und locken viele Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge in unsere Gärten. Daher duftet es in meinem Garten fast an jeder Ecke. Achten Sie darauf, Duftpflanzen gut im Garten zu verteilen und nicht alle in ein Beet zu setzen. So können Sie die verschiedenen Düfte bei einem Rundgang durch Ihren Garten viel intensiver wahrnehmen. Ich kann zum Beispiel nie am Duftphlox „Clouds of Perfume“ vorbeigehen, ohne ganz tief einzuatmen. Übrigens: Besonders an geschützten Standorten, vor Mauern oder Hecken, hält sich der Duft wunderbar intensiv und lange. Und natürlich dürfen duftende Pflanzen auch in der Nähe von Sitzplätzen nicht fehlen.

Im Winter für Farbe sorgen

Über die ersten Blüten im Jahr freue ich mich immer am meisten. Mit etwas Glück erfreuen uns Zaubernuss, Duftschneeball, Winterlinge, Schneeglöckchen und Co. schon ganz früh im Jahr mit ihren zarten Blüten und sorgen teils schon im Januar für erste Frühlingsgefühle. Wenn es zu frostig wird, unterbrechen sie allerdings ihre Winterblüte. Besonders schön leuchten die gelben, violetten oder rosafarbenen Blüten der Winterblüher, wenn der Rasen und die Beete noch von Schnee bedeckt sind. Faszinierend ist auch das Schauspiel des Duftschneeballs. Bei milder Witterung zeigt er schon am Ende des Jahres seine intensiv duftenden Blütenbüschel. Es lohnt sich, mit Winterblühern Farbakzente im Garten zu setzen; denn sie sind der Schlüssel dafür, dass in Ihrem Garten zwölf Monate im Jahr etwas blüht.

Sich niederlassen

Sitzplätze im Garten sind wichtig! Wer seinen Garten schön gestaltet hat, möchte ihn ja schließlich auch von möglichst vielen unterschiedlichen Perspektiven aus genießen und erleben. Was gibt es Schöneres, als nach getaner Arbeit den Blick über die bunt bepflanzten Beete, die jungen Büsche oder den neu angelegten Teich schweifen zu lassen, ein gutes Buch zu lesen oder einfach nur zu träumen. Ich schnappe mir gerne einen Klappstuhl und einen Klapptisch und suche mir den nächstbesten Schattenplatz – am besten unter den Laubbäumen. Dort ist auch bei großer Hitze meist noch kühler Schatten. So wandere ich durch den Garten und sitze immer mal wieder woanders. (Fotos © Anke Schütz)

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